Lettlands Musiker – 12 Gruppen, die man sich merken sollte

Die lettische Musikszene ist bunt und vielfältig – um sie kennenzulernen, sollte man den Empfehlungen der Experten von LiveRīga folgen. Wenn Sie eine der unten erwähnten Gruppen auf einem Konzertplakat sehen, gehen Sie hin – Sie werden es nicht bereuen! Kaum eine der unten erwähnten Gruppen gibt häufig Konzerte, um zu verhindern; dass sich beim Publikum ein Gefühl der Sättigung einstellt. Daher ist es angeraten, die Möglichkeit zu einem Konzertbesuch ohne zu zögern zu ergreifen. Die Gruppen sind in abnehmender Reihenfolge nach ihrer durchschnittlichen Auftrittshäufigkeit in Lettland aufgeführt.  

Prāta vētra/Brain Storm

Über die Popularität dieser Gruppe in ihrem Heimatland legt schon der Fakt Zeugnis ab, dass sie ein an den größeren Konzertorten mehr Publikum zusammenrufen als weltbekannte Gruppen. Dank ihren perfekten Liederarrangements und dem charismatischen Sänger, der mit seiner positiven Ausstrahlung so ziemlich jedem gefällt, ob Teenager, ob Senior, werden die Konzerte dieser fünf Jungs sogar mit Lettischen Nationalem Stolz verglichen, dem Sängerfest, bei denen Tausende von Chorsängerinnen und -sänger gemeinsam für das Publikum singen.

Skyforger

Die bei den Heavy-Metal-Fans außerhalb Lettlands wohl bekannteste Band verwendet in ihrer neben dem traditionellen Rockarsenal auch authentische Volksinstrumente, Kopien altertümlicher Kleidung und Erzählungen über die historischen Kämpfe des baltischen Volkes gegen Eindringlinge von den Zeiten der Kreuzritter im 13. Jahrhundert bis hin zu den Gefechten der lettischen Schützen Anfang des 20. Jahrhunderts. Skyforger hält sich gesanglich in jeder Ecke der Welt an die lettische Sprache, auf ihren CDs finden sich aber auch Übersetzungen der Texte in englischer Sprache. Ihr letztes Album Kurbads wurde von der berühmten amerikanischen Produktionsfirma Metal Blade herausgegeben, die sich auf Heavy Metal spezialisiert hat.

Instrumenti

Das lettische Streben in der Musik alles aufzugreifen, was mit dem Namen Island verbunden ist und der Wunsch zweier musikalisch talentierter, bekannter Teilnehmer einer Vokalgruppe, ein Popmusikprojekt aufzusetzen, das sich mit einen Duett krönt, das sich anfänglich hinter Pandamasken versteckte und sich mit selbst ausgedachten Legenden umgab.  Nun das alles wurde tadellos umgesetzt, und Instrumenti ist eine der lettischen Popgruppen, die man unbedingt beachten sollte, da sie in ihren Vorträgen auch ihr Wissen der klassischen Musik nicht verstrecken.

Goran Gora

Eine Liedermacher, der sofort nach dem Beginn seiner Solotätigkeit mit den ersten beiden Radiosingles sowie als Einheizer bei den Konzerten von Kings Of Convenience und Nouvelle Vague in Riga Popularität erlangen konnte. Von einem akustischen „Lagerfeuerliedermacher“ wurde er zu einem überzeugenden Popkünstler, der in Begleitung auftritt und nicht selten seine Musik mit Elementen der elektronischen Dance-Music bereichert, wie es so viele auf der Welt tun, die unter dem Siegel „songwriter“ einzuordnen sind.

Iļģi

Die erste Gruppe in Lettland, die, vor fast dreißig Jahren, aufbauend auf Texten von Volksliedern, die die Gründerin Ilga Reizniece ausgewählt hatte, Musik schufen, die die neue Genrebezeichnung „Postfolk“ erhielt. Der für lettische Volksmusik charakteristische Gesang nahm mit der Zeit Merkmale der internationalen „World music“ an und die, zur Volksmusik „gehörenden“ Instrumente, wie Dudelsack, Kokle, Violine, wurden in den Liedern von Iļģi durch E-Gitarre, Bass und Schlagzeug ergänzt.  

Auļi

Ein ganzes Arsenal von Dudelsäcken, die sonst nur einzeln oder zu zwei ausgenutzt werden, und altertümliche Schlaginstrumente können einen solchen, einem Ritual ähnlichen, Trubel veranstalten, dass keine verstärkenden Anlagen mehr nötig sind. Die Gruppe entstand, als sich zwei Jungs, die sowohl bei Iļģi als auch Skyforger gespielt haben, um sich herum einen ganzen Pulk Männer versammelten, die bereit waren, Musik ausschließlich mit Dudelsäcken und Trommeln zu machen,  denn in Unterlagen über Folklore fanden sich Hinweise, dass eine solche Art des Musizierens im Altertum bestanden hatte. Auļi spielt größtenteils Instrumentalmusik, aber in ihrem Repertoire finden sich auch Vokalarrangements von Volksliedern.

Soundarcade

Eine dunkle Bühne und surreale Videocollagen, die auf den Hintergrund der Bühne projiziert werden und auch gespensterhaft auch auf die Musiker fallen und so großartig deren musikalische Vorträge ergänzen, die schwerfällig und psychedelisch sind und ihre Konzertbesucher scheinbar erstarren lassen. Aber man muss keine Angst haben, für alle Zeiten in diesem Zustand zu bleiben, denn Soundarcade können ihre Darbietungen schneller beenden als aufmerksame Zuhörer anfangen zu glauben, es wäre Zeit, ein Bier zu holen. Diejenigen, die von den audiovisuellen Konzertaufführungen von Tool und Mogwai verzaubert worden sind, müssen diese Gruppe unbedingt sehen.

STandART

Ein Haufen wirklich alter analoger Synthesizer, die während der Konzerte der Gruppe auf der Bühne stehen und, im Gegensatz zu vielen anderen modernen Synthipopgruppen auch tatsächlich gespielt werden. Die Lieder sind größtenteils melodisch und gehen ins Ohr, aber dunkel wie die Nacht und kalt wie Eis – die Gruppe wurde nicht nur von Depeche Mode, deren Fanbewegung im gesamten Baltikum  nahezu ein Synonym für die Aktivitäten der Fans dieser Gruppe sind, sondern auch von dem Frühwerk von The Cure und Joy Division inspiriert.

Voiceks Voiska

Als ehemalige relativ einflussreiche Musiker aus Rigaer Underground-Indie- und Punkbands zusammenkamen, hatten sie die Idee, etwas viel fröhlicheres zu spielen. Sie luden dazu Bläser ein und in Lettland die erste Gruppe geschaffen, die ihren Stil mit Ska angab. Ihre im Untergrund erworbene Härte lässt in ihren Texten genügend soziale Eindringlichkeit und gesunde Selbstironie über die postsowjetische Generation bestehen, deren Prototypen nicht selten die Helden der Lieder von Voiceks Voiska sind.

Oranžās brīvdienas

In den zehn Jahren ihres Bestehens hat es die in der malerischen Stadt Kuldiga gegründete Band bereits geschafft, Konzerte in ganz Europa zu geben. Die Besetzung vermag die Hörer jedes Volkes mitzureißen mit ihrer positiven Art des Musizierens, das an das in Serbien geborenen und vielerorts populäre Genre Turbofolk. Allerdings besteht im Unterschied zu den Gruppen vom Balkan Oranžajās brīvdienās „nur“ aus zehn Personen, daher wird größerer Akzent auf Gitarren gelegt, aber die größeren Konzertorte bleiben auch nicht ohne akrobatische Elemente und Feuershow.

Inokentijs Mārpls

Die älteste, noch aktiv spielende lettische Punkrockgruppe, deren Stil Elemente des Ska, Reggae und Psychedelic enthält.  Das einzige Mitglied der Band, das während der ganzen Zeit des Bestehens bei Inokentijā Mārplā spielte und der der Autor der Lieder und des symbolischen Designs der Gruppe ist, nennt sich Dambis. Dambis ist ein Verfechter der lettischen unabhängigen Musik. Inokentijs Mārpls ist die einzige lettsiche Gruppe, die alle ihre Alben auch noch in Form von Vinylplatten herausgibt.

Dzelzs vilks

Das sich ehemalige Metalisten der Popmusik zuwenden, ist nichts Neues, und laute und aggressive Gitarrenmusik ergänzt um New Wave Electronic und Melodien, die ins Ohr gehen und leicht mitzusingen sind, brachte vor zehn Jahren Dzelzs vilks („Eiserner Wolf“) auf die Bühnen der in Lettland gefragtesten Bands. Die mitleidslos direkte Sprache ihrer Kompositionen und die Live-Auftritte der Band sind noch immer voll mit dem Dialog zwischen ewiger leidenschaftlicher Liebe und dem Schmerz der Trennung.

Empfohlen von dem unabhängigen Experten und langjährigen Musikjournalisten und DJ Uldis Rudaks.


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