Einzelausstellung von Ieva Epnere „Dienstag“

Über mehrere Monate hinweg begab sich die Künstlerin jeden Dienstag in die Wohnung ihres Vaters in Liepāja, um durch die Räume, das Licht und die dort vorhandenen Gegenstände einen Dialog mit der Erinnerung zu führen. Diese regelmäßigen Besuche wurden zu einem Rhythmus, der die Verbindung zu dem Verstorbenen aufrechterhält, dessen Präsenz in der Atmosphäre des Raumes nach wie vor spürbar ist. Die Wohnung fungiert in dem Kunstwerk als psychologische Inszenierung und lebendiges Archiv. Tapeten, das zum Tapezieren der Türen gekaufte Dermatin, Textilien und Alltagsgegenstände werden zu Zeugen und Trägern der Erinnerung. Die Künstlerin dokumentiert diese Objekte nicht, sondern „aktiviert“ sie, indem sie Situationen schafft, in denen persönliche Erinnerung mit performativer Handlung verschmilzt.

In den Fotos spielt das Tageslicht eine wesentliche Rolle, das einen traumhaften oder erinnerungsartigen Effekt erzeugt. Durch die Technik der Langzeitbelichtung, die Bewegung und die Lichtschichten wirkt der Körper der Künstlerin auf den Bildern fast gespenstisch. Die Geisterhaftigkeit und Transparenz offenbaren den Lauf der Zeit - die menschliche Figur verschmilzt mit dem Interieur und wird so zu einem Teil des Erinnerungsmechanismus. Gleichzeitig ist die Figur in den Bildern ein Bild, das über sich selbst reflektiert, und kein Modell.

Der Titel der Ausstellung "Dienstag" steht zunächst für die Regelmäßigkeit der Entstehung der Werke, gewinnt jedoch nach und nach eine umfassendere Bedeutung. In dieser Ausstellung wird die Fotografie zu einer Möglichkeit, auch nach einem Verlust weiterhin Präsenz zu zeigen.

Gleichzeitig knüpft "Dienstag" konzeptionell an die von Epnere im Jahr 2025 begonnene Fotoserie "Ich wünschte, ich könnte es Dir sagen / Ich wünschte, Du könntest es mir sagen", in der persönliche Erfahrungen den Zugang zu einer umfassenderen Auseinandersetzung mit Identität und Erinnerung ermöglichen. Diese Fotografien erzählen von der Geschichte einer bestimmten Familie, doch in ihrer Gesamtheit halten sie umfassendere kollektive Erinnerungen fest. Gerade die Materialität der Bilder und ihrer erweiterten Grenzen ist ein wesentlicher Aspekt in Ieva Epners bisherigem Schaffen.

Michael Tschechow russisches Theater Riga 28.06.2026 - 23.08.2026
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