Die Ausstellung zum 100. Geburtstag von Raimonds Staprāns präsentiert Werke, die bisher in Lettland noch nicht zu sehen waren, und zeichnet ein umfassendes Bild vom Schaffen des Meisters – von seinen frühesten Arbeiten in den 1950er Jahren bis hin zu seinen letzten Gemälden, die er im 21. Jahrhundert schuf, und ermöglicht es, die Entwicklung von Staprāns einzigartigem malerischen Stil über einen Zeitraum von siebzig Jahren nachzuvollziehen. Seine Kunst erlebte ihre Blütezeit in der Hochzeit des abstrakten Expressionismus. So sehr Staprāns auch versuchte, abstrakt zu malen, zog es ihn doch immer wieder zu figurativen Landschafts- oder Stilllebenmotiven hin, und bei diesen blieb der Künstler schließlich auch, wodurch er sich in den Kreis der „Bay Area Painting“-Malerei Kaliforniens einreihte.
Vom abstrakten Expressionismus lernte Staprāns die "Architektur" der Malerei, also die Art und Weise, wie ein Gemälde aufgebaut ist. "Ein Gemälde muss wie ein Gebäude ‚stehen‘ können", sagte der Künstler. Staprāns Malerei ist geheimnisvoll; sie zeichnet sich durch eine streng architektonische Komposition und Farbgebung aus, die bis zu einem extremen Gefühl getrieben ist, das von innerer Spannung erfüllt ist. Dies ist eine intellektuelle Bildsprache - Staprāns erklärt die Welt nicht, sondern schafft mit präzisen visuellen Mitteln einen emotional und ästhetisch gesättigten und spannungsgeladenen Raum der Stille. Jedes Gemälde von Staprāns ist wie ein geschliffener Diamant, der in einem langen, langsamen Prozess entstanden ist.
Am Ende des Zweiten Weltkriegs floh Raimonds Staprāns (1926-2026) im Alter von achtzehn Jahren zusammen mit seiner Familie nach Deutschland. Bereits 1947 wanderte die Familie in die USA aus und ließ sich in Salem, Oregon, nieder. 1948 begann Staprāns an der University of Washington in Seattle ein Studium der Malerei und Theaterwissenschaft, das er als Bachelor abschloss (1948-1952); seine Masterarbeit in Kunst verteidigte er an der University of California in Berkeley (1952-1954). Später wurde San Francisco zu seiner Heimat, wo Raimonds Staprāns seine Karriere als Künstler und Dramatiker aufbaute.