Ausstellung „Den Blick abwenden. Die Künstlerinnen in der Sammlung von Zuzāns: 2000–2026“

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen zeitgenössische Künstlerinnen und ihre Werke, die in den ersten beiden Jahrzehnten des 21. Jahrhunderts entstanden sind und eine einzigartige kollektive Biografie dieser Epoche bilden. Darin sind mehr als 40 Werke von Künstlerinnen versammelt, die in Lettland, im Baltikum und anderswo auf der Welt leben und deren Werke in der Zuzāns-Sammlung vertreten sind. Anlass für die Ausstellung war die bemerkenswerte Anzahl der in der Sammlung vertretenen Künstlerinnen: Die Sammlung umfasst mehr als 500 Namen und Werke von Künstlerinnen vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis zur Gegenwart.

Die konzeptionelle Grundlage der Ausstellung findet sich in einem Essay der britischen Theoretikerin der visuellen Kultur, Irit Rogoff, aus dem Jahr 2005 mit dem Titel "Den Blick abwenden - Formen der Teilhabe in der visuellen Kultur", in dem sie das Abwenden des Blicks vom Untersuchungsobjekt als eine andere Art der Teilhabe an der Kultur betrachtet. Zwanzig Jahre später entwickelt die Ausstellung diese Idee weiter, indem sie die Künstlerinnen selbst dazu auffordert, sich nicht dem fertigen Werk, sondern den Umständen seiner Entstehung zuzuwenden.

Die Kuratorin der Ausstellung, Snezhana Krastieva (Bulgarien), setzte dieses Vorhaben gemeinsam mit der Co-Kuratorin Jewgenija Hamudajeva in Einzelgesprächen mit allen Teilnehmerinnen der Ausstellung um, wodurch sie den bisher fehlenden Kontext der Kunstwerke lieferten und gleichzeitig die Grundlage für weitere Untersuchungen zum finanziellen, persönlichen und kreativen Umfeld schufen, in dem jedes Werk entstanden ist. Die offene Gesprächsform ermöglichte vielfältige, oft unerwartete und bisweilen zutiefst emotionale Antworten, ohne diese einem vorab festgelegten Rahmen zu unterwerfen.

Der Inhalt der Gespräche setzt sich in der Ausstellung fort: Jedes ausgewählte Kunstwerk wird von den Künstlerinnen ausgewählten kontextuellen Ebenen begleitet, die einen tieferen Einblick in den Entstehungsprozess gewähren. Dazu gehören handschriftliche Notizen, ein Duft, ein Fragment von der Wand des Ateliers oder ein von einem Freund geschaffenes Kunstwerk - Zeugnisse, die erst dann Bedeutung erlangen, wenn wir bereit sind, über das Kunstwerk selbst hinauszuschauen. Die Ausstellung "Den Blick abwenden" stellt keine verallgemeinernde These über Künstlerinnen im Lettland des 21. Jahrhunderts auf, sondern dokumentiert, was sich offenbart, wenn man die Künstlerinnen dazu einlädt, nicht nur ihre Werke, sondern auch einen Teil der Welt vorzustellen, in der diese entstanden sind.

Im Rahmen der Ausstellung führt das Kunstmuseum "Zuzeum" ein Projekt zur Förderung der Barrierefreiheit durch, dessen Ziel es ist, Menschen mit Sehbehinderungen die Möglichkeit zu geben, die Kunstwerke der Ausstellung durch Berührung und andere Lösungen kennenzulernen.

Kunstzentrum "Zuzeum" 02.10.2026 - 17.01.2027
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